Zwei Tage nachdem ich beim Orthopäden war und von ihm das erste Attest für die Brustverkleinerung bekommen habe, hatte ich das Beratungsgespräch beim plastischen Chirurgen in einem naheliegenden Krankenhaus. Den operierenden Arzt hat mir vor paar Jahren meine Frauenärztin empfohlen. Ich habe sie damals darauf angesprochen, was sie über eine Verkleinerung hält. Sie meinte damals, dass sie aktuell eine Patientin hat, die schon seit Jahren mit der Krankenkasse um die Kostenübernahme kämpft und sie hat nicht mal Übergewicht. Damals wog ich noch über 100 kg und wusste nicht wirklich, wie ich abnehmen soll. So beschäftigte mich die Op auch nicht weiter. Ich habe mich noch daran erinnert, welches Krankenhaus sie damals erwähnt hat. Ich habe also gegoogelt und den Arzt auch bald gefunden. Ich habe dort sofort angerufen und knapp 3 Wochen später einen Termin für ein Gespräch bekommen. Meine Frauenärztin meinte damals auch noch, die Chancen für eine Kostenübernahme stehen sehr schlecht, die Krankenkassen wollen nicht mehr bezahlen.

Bevor ich zum Beratungsgespräch gefahren bin, habe ich noch bei meiner Krankenkasse (Techniker KK) angerufen, weil ich nachfragen wollte, was ich alles in den Antrag auf Kostenübernahme schreiben und welche Atteste ich am Besten einholen soll. Es war schon nach 17 Uhr und bei der Hotline wusste mir die Frau nicht zu helfen, ich soll bitte am nächsten Tag wieder anrufen. So habe ich auch gemacht. Ich fand es etwas erschreckend, dass alles über das Gespräch vom Vorabend im Computer stand und der Mitarbeiter sofort wusste, warum ich anrufe. Anonym mal was zu fragen, war nicht möglich. Am Telefon war natürlich ein Mann dran, damit es für mich auch noch richtig peinlich ist. Ich telefoniere eh nicht gerne, da Deutsch nicht meine Muttersprache ist und ich nicht immer weiß, wie ich mich ausdrücken soll. Ich habe kurz geschildert, was ich machen möchte, er hat mir zusammengefasst, was ich brauche:

Im Antrag sollten folgende Fakten drin stehen:

– wer ist der operierende Arzt

– Größe, Gewicht, BH Größe

– Fotos von vorne und von der Seite

– Brustgewicht, Beschaffenheit (eher mit Drüsen oder mit Fett)

– entfernbares Volumen pro Brust

Ich habe auch eine Telefonnummer bekommen, wo ich anrufen und fragen kann, an wen ich den Antrag adressieren und schicken soll. Als ich dort angerufen habe, meldete sich eine Frau in einem ganz anderen Bundesland, bei der Zentrale, wo wir hingehören. Dort habe ich einen Namen bekommen, allerdings schickte ich später den Antrag doch nicht zu ihr, sondern ich bin zu unserer Filiale gefahren und habe den Antrag persönlich abgegeben.

Und nun zum Beratungsgespräch Ende September:

Im Wartezimmer musste ich trotz Termin 3/4 Stunden warten, unser Gespräch hat danach eine halbe Stunde gedauert. Der plastische Chirurg (abgekürzt PC) hat meine Vorgeschichte in den PC eingetippt, er hat mich vermessen (die Entfernung Brustwarzen zum Schlüsselbein, Taille, Hüfte). Die Brust wurde nicht gewogen, er hat geschätzt, dass etwa 900-1000 Gram pro Seite entfernt werden könnten, so würde ich auf ein kleines C kommen. Dass er die Brust nicht hochgehoben und mich dabei auf der Waage gewogen hat, hat mir zu Denken gegeben, da ich das Ergebnis hätte in den Antrag schreiben sollen. Als ich ihm erzählt habe, was ich aus dem PC-Forum schon wusste, dass die Ärzte beim medizinischen Dienst (MDK) die Brüste auf dieser Weise wiegen, hat er nur mit den Augen gerollt und gemeint, das ist unmöglich. Das Gewicht der Brüste hängt davon ab, wie hoch man hebt.

Hmmm… das ist ein Problem, was soll ich dann machen? Eine Lösung haben wir dann zu Hause mit meinem Mann gefunden. Ich habe mich auf die Waage gestellt, mein Mann hat mir die Brüste hochgehoben. Fünf mal gemacht, fünf verschiedene Ergebnisse bekommen. Das Gewicht zu bestimmen bleibt doch ein Problem. Was soll ich jetzt in den Attest schreiben? Diese Methode ist absolut unakkurat. Abhängig davon, wie hoch er die Brüste hochgehoben hat, kamen Werte pro Brust zwischen 2000 und 3000 Gramm raus. Was ich nicht weiss, sagt mir Google. Es dauerte ein wenig, bis ich auf Seiten gestoßen bin, auf denen ich das geschätzte Gewicht der Brüste anhand der Unterbrust- und der Brustumfang online ausrechnen konnte.  Wie ich es erfahren habe, einige Ärzte vom medizinischen Dienst haben auch so eine Tabelle, in der sie anhand dieser Daten das ungefähre Gewicht berechnen und die Brüste nicht auf der Waage durch Hochheben messen. Auf Deutsch kann ich dazu die Büstenhalter Brafitter Seite empfehlen. Eigentlich reichen diese genannten zwei Werte (UBU und BU), man klickt unten auf „BH-Größe ermitteln“ und auf der nächsten Seite steht, was man wissen wollte. Wie man den Brustumfang bei stark hängenden Brüsten misst, ist erklärt, allerdings habe ich es nicht so gemacht, sondern einfach so gemessen, wie sie ohne BH waren. Meine Brüste waren aber auch keine Hautlappen, sondern voll mit Drüsengewebe, deswegen weiß ich nicht, ob diese Methode auch bei flachen und stark hängenden Brüsten funktioniert oder man dort wirklich der Beschreibung folgen sollte. Was ich bekam, hat so auch etwa gestimmt, ausser dass es nicht beachtet wurde, dass Drüsengewebe schwerer und kompakter ist als Fettgewebe. Eine Brust aus überwiegend Fettgewebe wiegt weniger, als die selbe Brust aus überwiegend Drüsengewebe. Bei 116 und 85 cm kam bei mir ein Gewicht von 1850 g raus und die BH Größe 85 J. Ich trug zur Zeit 80 I, was aber ziemlich knapp war, ich hätte bestimmt 80 K gebraucht, nur sowas habe ich nirgendwo mehr bekommen. Ich fand eine BH-Marke (Anita Jana 5427) mit breiten Trägern (3 cm), die sehr bequem waren, allerdings gingen sie nur bis Körbchengröße I. Davon hatte ich mehrere Stücke. Zum Sport trug ich eine andere Marke, wo mir 85 I passte: Ulla Sport und Entlastungs BH Serie Kate (Trägerbreite 3,8 cm). Diese BHs kosten nicht mehr 12-20 Euro, wie ich sie mir jetzt kaufe, sondern 60-90 Euro pro Stück! Sie müssen eine Menge aushalten und trotzdem musste ich noch einen engen Sportsoberteil anziehen und die Brüste beim Sport oft festhalten. Jumping Jacks gingen überhaupt nicht, heute ist es ganz anders!!! Wie Tag und Nacht, wie Himmel und Hölle! Ich hätte vor einem halben Jahr BeFit nicht Tag für Tag  meistern können. Was bin ich froh, dass ich die OP machen ließ!

Aber zurück zum Beratungsgespräch: Der PC hat mir geraten, auf mein Wunschgewicht zu kommen, bevor ich operiert werde. Ich wog in seiner Praxis 83 kg, genau wie heute, ein halbes Jahr später. Ich habe ihn gebeten, mich offiziell zu wiegen, weil ich meine Gewichtsabnahme festhalten und dokumentieren wollte, so dass die KK es auch erkennt. Und das ging nur durch ärztliche Untersuchungen. Ich wurde seit meiner ersten Schwangerschaft mehrmals offiziell gewogen, nur das aktuelle Gewicht fehlte, nachdem ich 25 kg abgenommen habe. Der PC hat mich also gewogen, später stellte sich aber heraus, dass er es nicht in sein Attest reingeschrieben hat, wie ich es gebraucht hätte. Ich hatte den Wert in meinem Antrag trotzdem. Was man noch über den Zusammenhang zwischen Übergewicht und Kostenübernahme hört: je mehr Übergewicht, umso wahrscheinlicher ist eine Ablehnung. Es gibt Ausnahmen, vor allem wenn man gesundheitlich so mitgenommen ist, dass eine weitere Abnahme mit den großen Brüsten nicht zumutbar ist. Aber allgemein kann man die Nummer 30 als magische Grenze erwähnen, und zwar beim BMI. Darüber hinaus hat man Adipositas, darunter Übergewicht. Die Krankenkassen wollen ein BMI unter 30,0 haben, wenn nicht, schreiben sie häufig, man solle vorher etwas abnehmen, danach stimmen sie der Kostenübernahme zu. Mit 83 kg hatte ich ein BMI von 30,1 gehabt. Bis ich den Antrag abgegeben habe, musste ich noch ein halbes Kilo abnehmen. Es ist lächerlich, aber wahr: Wenn man wegen etwas abnehmen MUSS, GEHT ES EINFACH NICHT RUNTER! So war es bei mir auch, trotzdem habe ich in den Antrag 82 kg reingeschrieben und wurde mit 82,8 kg operiert. Zum Glück wurde mein Gewicht nie überprüft, da ich nicht zum MDK gehen musste, ich glaube allerdings auch nicht, dass 300 Gramm an der Kostenübernahme etwas geändert hätte. Meine Ausgangslage war so extrem, dass die KK hätte nicht ablehnen können.

Der PC meinte, er schreibt mir ein Attest für die Krankenkasse, den ich etwa in 7-10 Tagen mit der Post bekommen werde (ein Exemplar bekommt meine Frauenärztin und eins die Krankenkasse). Die Brüste wurden von zwei Seiten fotografiert. Ich habe in den Antrag aber meine eigenen Fotos beigefügt. Das ist der nächste wichtige Punkt bei dem Antrag. Bei den Fotos muss man darauf achten, dass auch die Ellenbogen zu sehen sind, weil die Krankenkasse und der MDK-Arzt bei der Beurteilung darauf achten, wie weit die Brüste runterhängen (auch abhängig davon, wie alt die Frau ist). Mit 40 Jahren bis zum Ellenbogen ist es fast normal. Ich habe 7 Fotos gemacht: von vorne, von beiden Seiten (alles nackig, wie Gott mich verstellte), angezogen in einem engen Oberteil von vorne (um die Proportionen zu zeigen) und von den beiden Schultern mit Schnürfurchen, die durch den breiten BH-Träger auf der Haut rot geleuchtet haben. Den Träger habe ich mit einem Massband zusammen fotografiert, das zeigte, dass der Träger 3 cm breit war. Viele MDK-Ärzte lehnen ab und sagen, die Frau soll vernünftige BHs mit breiten Trägern tragen, dann werden die Schulter auch nicht so aussehen. Deswegen war so ein Foto wichtig.

antrag foto


Der PC hat mir noch erklärt, wie die OP ablaufen würde, ich habe auch ein Infoblatt bekommen, auf dem Foto hat er alles markiert, was ich wissen musste. Ein sogenannter T-Schnitt soll gemacht werden und die Brustwarzen werden an einem Gewebestiel nach oben versetzt. Es wird eine Verkleinerung mit Straffung. Beim T-Schnitt entstehen die meisten Narben: in der Unterbrustfalte, um die Brustwarze herum und zwischen den beiden eine senkrechte Linie. Beim i-Schnitt entfällt die Narbe in der Unterbrustfalte, dafür kann man weniger Volumen wegnehmen. Es gibt noch eine narbensparende Technik, bei der nur um die Brustwarze herum geschnitten wird (natürlich kann man dadurch noch weniger wegnehmen):

verkleinerung techniken Quelle

Da ich die OP auch hätte machen lassen, wenn die KK die Kosten nicht übernimmt, haben wir auch schon einen Termin für die OP ausgemacht: in 3,5 Monaten. Der PC meinte, im November wäre schon alles voll und ich hätte im Dezember nicht gekonnt, weil ich Anfang Januar plante, ins Ausland zu fliegen und bis dahin hätte ich mich von der OP noch nicht erholen können. Deswegen sollte der Termin dann Mitte Januar 2013 sein. Bis dahin sagt die Krankenkasse sicherlich Bescheid, ob sie die Kosten übernehmen oder nicht – so war der Plan.

Von der Brustgröße nach der OP haben wir nicht viel geredet. Ich habe erwähnt, dass ich möglichst kleine Brüste haben möchte (B eben), er meinte ein kleines C würde rauskommen, aber ich soll ihm meine Vorstellungen am OP-Tag beim Anzeichnen genau schildern und wir gucken. Es soll auf jeden Fall ein T-Schnitt werden und die Brustwarzen werden nicht abgetrennt. Sie kommen an einem Stiel 15 cm höher (also auf 22 cm Höhe – auf die Höhe der Unterbrustfalte). Anzeichnen fängt um 7:10 an, OP ist irgendwann nach 8 Uhr, etwa 4-5 Tage nach der OP darf ich wieder heim.

Als Selbstzahler müsste ich etwa 4000 Euro bezahlen, plus 200 Euro für den BH. Folgekostenversicherung wurde nicht erwähnt, ich habe auch vergessen danach zu fragen.
Da die KK die Kosten dann übernahm, habe ich sogar zwei Kompressions-BHs bekommen und musste für sie einen Eigenanteil von nur 20 Euro bezahlen (von 400 Euro!!). Folgekostenversicherung brauchte ich so auch nicht. Die OP wurde dann auch nicht im Januar 2013 gemacht, sondern schon im November 2012 – dazu später mehr.

Ich hatte mit dem Attest vom PC Probleme, dass ich den Vertrauen in die Praxis zunehmend verloren habe und der Arzt war auch nicht so sympathisch, wie ich es gerne gehabt hätte. Er war nett, er hat erklärt, aber ich hatte damals schon das Gefühl, dass er meine Wünsche nicht ernst nimmt. Beim zweiten Gespräch und bei der 6 Wochen Kontrolle nach der OP merkte ich auch, dass er nicht viel darauf gibt, was ich gerne hätte oder was ich empfinde. Viele Ärzte spielen den Gott – das Gefühl hatte ich bei ihm auch. Nachdem die KK bestätigt hat, dass sie die Kosten übernehmen und ich immer wieder mit dem Attest Ärger hatte, wollte ich auch noch woanders ein Beratungsgespräch haben. Ich hätte es wirklich tun sollen, es ist aber dann doch nicht so gekommen.

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