Will man eine Kostenübernahme durch die Krankenkasse für die Brustverkleinerung, sollte man unbedingt einen Antrag schreiben und so viele Atteste von Fachärzten einholen, wie nur möglich. Einige geben nur ein kurzes Schreiben ohne großartige Begründung mit dem Attest vom plastischen Chirurgen ab. Andere geben nur letzteren ohne Antrag ab. Es ist aber am Besten, wenn man selber im Antrag ausführlich beschreibt, warum man die Op braucht, warum die Krankenkasse die Kosten übernehmen soll, warum es für die KK günstig ist, zu bezahlen und man sollte unbedingt aussagekräftige Fotos beifügen.

Diese drei Ärzte sollten unbedingt nach einem Attest gefragt werden:

plastischer Chirurg: sehr wichtig! Dieses Attest sollte unbedingt abgegeben werden. Es soll von dem Chirurgen kommen, der die Op durchführen wird. In seinem Attest soll drin stehen, wieviel Gewebe pro Brust entnommen werden kann, wie viel die Brüste wiegen, Fotos von den Brüsten werden auch gemacht und zur Verfügung gestellt, auch wenn sie nicht unbedingt mitgeschickt werden

– Orthopäde: sehr wichtig! Man sollte bei diesem Orthopäden in Behandlung sein, er soll in sein Attest schreiben, was für Veränderungen nachweisbar sind und was man dagegen unternommen hat. Es ist wichtig, dass der Orthopäde schreibt, alle Mittel wurden ausgeschöpft, ohne eine Verbesserung und die Op ist dringend notwendig

– Hautarzt: sehr wichtig! Er sollte attestieren, dass in der Unterbrustfalte wiederkehrend Entzündungen und/oder Pilzbefall auftreten, die kaum unter Kontrolle zu kriegen sind. Schnürfurchen an den Schultern von den breiten BH-Trägern – die Breite sollte mindestens 2 cm betragen, besser mehr.

Ausser diesen Ärzten könnte man auch noch vom Frauenarzt und Hausarzt ein Attest einholen, ist aber nicht so wichtig. Diese können nichts neues aussagen. Für die KK zählt, dass man Veränderungen hat und einige Therapien durchgemacht hat. Allerdings muss ich dazu sagen, dass es auch ohne gehen kann, wie es bei mir der Fall war. Ich war nicht in Behandlung, ich hatte mal 6 Massagen verschrieben bekommen, das war alles. Wenn man nichts in der Hand hat (Therapien, Krankengymnastik), sollte man eine Ausgangslage haben, die für sich spricht. Oder man sollte nachweisen können, dass man viel Gewicht verloren hat – in diesem Fall bezahlt die KK nicht nur eine Brust-Op schneller, sondern auch eine Bauchdeckenstraffung. Bauchdecke und Brüste sollten deutlich hängen und da kommt der Hautarzt, der attestiert, dass unter dem Hautlappen böse Dinge passieren. Andererseits können Frauen abgelehnt werden, die jeden Monat zum Orthopäden oder Hautarzt müssen und schon alles verschieben bekommen haben. Warum? Es ist ein Rätzel. Vielleicht haben sie Brüste, die doch nicht groß genug sind, oder die KK muss sparen oder der MDK-Arzt hat schlechte Laune – das weiß keiner leider. Man darf aber trotzdem nicht aufgeben und sollte weiter versuchen.

 

Was im Antrag stehen sollte:

In der Regel verlangen die Krankenkassen, dass man ein BMI unter 30,0 hat. Es heißt aber nicht, dass man mit einem BMI von 34 automatisch abgelehnt wird. Mit deutlichem Übergewicht kann man auch eine Kostenübernahme erhalten, dazu muss man nur eine deutliche Ausgangslage vorweisen. Zum Beispiel viel abgenommen haben oder eine Krankheit haben, die eine Abnahme unzumutbar macht und die großen Brüste schon an der Gesundheit der Frau Spuren hinterlassen haben, oder die Brüste sind unterschiedlich groß, etc. Man sollte versuchen, vor dem Antrag unter BMI 30 zu kommen, wenn man es nur schafft – die Ausreden zählen nicht, man soll sich anstrengen, das soll die KK auch sehen! Fitnesskurse nachweisen, Ernährungsberatung in Anspruch nehmen oder selber bezahlen, Gewichtsverlauf durch einen Arzt dokumentieren lassen, Blutwerte, Zuckerwerte, Leberwerte verbessern, durch Laboruntersuchungen nachweisen. Man muss den Hausarzt nicht extra darum bitten, die jährliche Blutuntersuchung reicht völlig aus. Ich habe selber auch einfach nur die Laborergebnisse von früher kopieren lassen und habe sie aus vorherigen Jahren gesammelt und dem Antrag beigefügt. Ich habe Werte markiert, die sich durch meine Abnahme deutlich verbessert haben und die bei Folgekrankheiten wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Probleme eine Rolle spielen: Cholesterin, Trigyzeride, Langzeit-Zucker (HbA1c). Da ich in der Schwangerschaft Diabetes hatte, hatte ich damals eine Ernährungsberatung erhalten und mein Langzeit-Zucker wurde bestimmt. Nachdem ich abgenommen habe, wurde der Langzeit-Zucker bei der jährichen Blutuntersuchung mitbestimmt, so konnte ich die positive Veränderung nachweisen. Ist man nicht unter BMI 30,0, sagt oft die KK, dass sie der Kostenübernahme zustimmen, wenn man noch x kg abnimmt. In diesem Fall soll man es wirklich tun, die Sache ernst nehmen, personal Trainer engagieren und wirklich abnehmen. Der Op steht nichts mehr im Wege.

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Unterbrustumfang, Brustumfang – daraus wird das Gewicht der Brust errechnet. Man kann es aber auch auf dieser Seite eintippen und das Ergebnis in den Antrag schreiben: http://www.buestenhalter.com Das Gewicht der Brüste irgendwie selber zu ermitteln, ist sehr schwierig bis unmöglich. Die MDK-Ärzte machen es meist so, dass sich die Frau auf die Waage stellen muss und der Arzt die Brüste einzeln hochhebt. Das Gewicht hängt davon ab, wie hoch der Arzt die Brust hebt. Wir haben es mit meinem Mann zu Hause versucht, 5 mal gewogen, 5 verschiedene Ergebnisse bekommen, die reichten pro Brust von 2 bis 3 kg. In meinen Antrag habe ich den Mittelwert geschrieben. Laut der oben genannten Internetseite hatte ich bei einem UBU von 85 cm und einem BU von 118 cm pro Brust ein Gewicht von 2020 g. Dabei wurde nicht berücksichtigt, dass meine Brüste unterschiedlich groß waren und auch nicht, dass sie laut Mammografie überwiegend aus Drüsengewebe bestanden haben, das schwerer als Fettgewebe ist. Die dritte und genaueste Methode ist die Wasserverdrängung. Dabei lässt man die Brust in ein Schüssel randvoll mit Wasser senken und misst, wieviel Wasser rausläuft. Man braucht also zwei Schüssel, der untere ist natürlich leer und fängt das Wasser aus dem überlaufenden vollen Schüssel auf. Ich selber habe es nicht probiert.

Es gibt noch einige Publikationen im Thema Brustgewicht, eine davon ist diese: A.J. TURNER & D.G. DUJON. 2005. Predicting cup size after reduction mammaplasty

Die Daten sind in britischen Maßeinheiten angegeben, aber auf dieser Seite findet man die entsprechende EU-Größe. Zum Beispiel habe ich UBU 85 cm, das entspricht 38 in England. Guckt man in der Publikation nach, bedeutet es, dass eine Körbchengröße etwa 215 g wiegt. Ich trug 85K, eine Brust wog also etwa 2365 g. Das könnte hinkommen. Entnommen wurden bei mir 1250 g im Durchschnitt und so kam ich auf Größe 85E = 6 Körbchengrößen kleiner, pro Cup mit 215 g gerechnet, kommen da 1290 g raus. Könnte also wirklich akkurat sein! Dementsprechend wiegen meine Brüste immer noch über 1000 g und etwa 500-600 g hätten noch weggenommen werden können.

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In den Antrag sollte auch rein, wie die Beschaffenheit der Brüste ist. Wenn man es weiß. Ich habe es bei der Mammografie erfahren, die das Ganze ins Rollen gebracht hat. Es gibt 4 Brusttypen: ACR Dichtetyp 1- mit überwiegend lockerem Fettgewebe, 4- mit überwiegend dichtem Drüsengewebe und 2, 3 dazwischen. In meinem Bericht stand, dass ich Typ 3-4 habe. Ich glaube, es ist für die KK wichtig, weil man beim Übergewicht mit Brüsten aus überwiegend Fettgewebe viel ohne Op Gewicht verlieren kann. Drüsengewebe kann man jedoch nicht alleine loswerden und dichtes Gewebe macht die Ziele der Vorsorgeuntersuchung auch unmöglich.

Über 1500 g pro Brust spricht man von Gigantomastie, das ist schon krankhaft und die KK muss eigentlich zahlen.

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BH-Größe angeben – man hört überall, dass Frauen nicht wissen, was ihre richtige BH-Größe ist, sie tragen meist einen zu kleinen BH. Oder der BH ist schon ausgeleiert, oder man hat das Ettikett entfernt. Auf der Büstenhater Seite kann man die richtige BH-Größe anhand UHU und BU errechnen und die vorgeschlagene BH-Größe in den Antrag schreiben.

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Mann sollte im Antrag angeben, von wem die Op durchgeführt werden soll. Von diesem Arzt sollte auch das Attest vorliegen. Die Krankenkassen lassen nicht jeden Arzt ran, deswegen ist es wichtig. Aber auch nachdem die Kostenübernahme schon zugesprochen wurde, kann man den Arzt noch wechseln, man muss es nur der KK mitteilen.

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Unbedingt muss im Antrag und im Attest vom PC drin stehen, wie viel Gewebe bei der OP entfernt werden kann. Das sollte man nicht selber errechnen, der Chirurg hat da schon Erfahrung. Sollte er zumindest haben, meiner hat es hofflungslos untergeschätzt. Ich wusste es schon, als er die Zahlen beim ersten Beratungsgespräch ausgesprochen hat: 900-1000 g. Nur?!? Ich habe mich vor dem Gespräch schon schlau gemacht, ich habe mindestens mit 1,5 wenn nicht 2 kg pro Brust gerechnet. Wie es sich nach der Op auch bestätigt hat, wurden pro Seite 1130 und 1330 g entnommen und hätten noch 500-600 g mehr sein sollen. Also insgesamt irgendwo bei 1700- 1900 g. Ich hatte wirklich riesen Angst davor, dass meine Brüste nach der Op immer noch zu groß sein werden. Überall habe ich davon gelesen. Es gibt nicht viele, die am Ende die Brüste zu klein finden, aber sehr viele, die sie immer noch groß finden. Die Krankenkassen lehnen gleich ab, wenn das entfernbare Volumen unter 500 g liegt, der PC schreibt also schon von Anfang an mehr in sein Attest. Bei Grenzfällen wird man auf jeden Fall zum MDK geschickt, die KK entscheidet dann nicht nach Aktenlage. Sind die Brüste unterschiedlich groß, zählt die 500 g Grenze nicht. Dann muss ein deutlicher Unterschied bestehen, mindestens 2 Körbchengrößen.

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Man sollte nicht auf psychische Probleme plädieren, sonst wird man zur Psychotherapie. Das hat früher gezogen, heute überhaupt nicht mehr. Nur noch orthopädische und Hautprobleme.

Alles, was man beschreibt, sollte man durch ärztliche Dokumente nachweisen (auch die Abnahme! Also man sollte frühere Untersuchungsergebnisse zusammensuchen, von der Arzthelferin kopieren lassen, wo man offiziell gewogen wurde. Nicht vergessen, sich nach der Abnahme wiegen zu lassen.)

Die gesündheitlichen Beschwerden, wie Hautprobleme, Rückenprobleme, ein paar Therapien/Massagen/Rückenschule/Fitness-Studio-Kurs, ohne Verbesserung sollte auch dokumentiert und beschrieben werden. Röntgenaufnahmen, MRT, Berichte, alles was mit den Schmerzen zu tun hat, dokumentieren.

Man soll gute Bhs mit breiten Trägern tragen (mindestens 2 cm), trotzdem Schnürfurchen und Schulterschmerzen haben. Die Träger meiner BHs waren 3-3,5 cm breit, ich habe sie fotografiert und die Fotos mit Messband drauf beigefügt.

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Zum Antrag sollte man beeindruckende Fotos von der Ausgangslage beifügen, zB vorher-nachher Abnahme Fotos, Hautentzündung, Schnürfurchen, nackte Brustfotos von vorne und seitlich, wobei man darauf achten muss, dass die Ellenbogen auf dem Foto zu sehen sind. Es wird darauf geachtet, wie sehr die Brüste darunter hängen. Ganzkörperfotos in einem engen Oberteil könnte auch hilfreich sein, weil man so die Proportionen erkennen kann. Ich habe die Sachbearbeiterin mit einem nackten Oberkörper-Foto gleich auf der ersten Seite meines Antrages schockiert. Meine beigefügten Fotos (Ausgangslage) kannst du hier und in diesem früheren Beitrag sehen, so wie ich sie abgegeben habe (natürlich ohne das Gesicht unkenntlich gemacht zu haben).

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Man sollte einige Sätze für Argumente widmen, warum es für die Krankenkasse langfristig günstiger ist, die Kosten für die Brustverkleinerung zu übernehmen: die meisten Krankschreibungen und Arbeitsausfälle passieren wegen Rückenschmerzen; die Kosten für Therapien, Medikamente, Arztbesuche, die nichts bringen, kosten viel mehr, als die Op selber; hat man viel abgenommen, hat man die Risiken für Folgekrankheiten gesenkt, wofür die KK hätte bezahlen sollen, Folgekrankheiten und die Folgekosten allgemein werden gemindert, etc. Google nutzen, zu den Themen aktuelle Nachrichten durchstöbern, zitieren. Quellen angeben.

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Mein Antrag betrug 7 Seiten, beinhaltete 7 Fotos, unzählige ärztliche Dokumente, Berichte über MRT, Röntgenuntersuchungen und 5 Atteste. In den Antrag habe ich hinten eine Kurze Zusammenfassung mit den Eckdaten geschrieben, bis dahin hat man schon so viel gelesen, dass es notwendig war, kompakt auf den Punkt zu kommen.

 

 

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