1. November 2012, Donnerstag

Ich habe sehr gut geschlafen, trotz dass ich kein Kissen bekommen habe. Ich habe am Morgen danach gefragt und sofort eins bekommen. Die Schwester meinte, meins hatte wohl meine Nachbarin ausgeliehen. Ich hatte mein eigenes Stillkissen dabei, ich habe es im Krankenhaus aber eigentlich nicht gebraucht, das Bett umzustellen hat gereicht, um Rückenschmerzen vorzubeugen. Um 5:43 bin ich alleine vor dem Wecker auf dem Handy aufgewacht. Ich habe geduscht und mir nochmal die Haare gewaschen. Ich wasche mir die Haare sonst jeden zweiten Tag, deswegen war ich in Sorge, wie es nach der Op funktionieren wird. Ich weiß noch, dass ich geträumt habe, dass ich ein Stück Schokolade gegessen habe und ich es wegen der Narkose nicht hätte tun dürfen. Im Traum hatte ich Angst, dass die Op deswegen verschoben werden muss. 😉

6:20
Ich war fertig im Bad und konnte glücklicherweise auch das große Geschäft erledigen. Es wurde ja jeden Tag nach der Op gefragt, ob man es schon geschafft hat. Irgendwie ist es echt peinlich, jeden Tag mit einem Fremden darüber zu sprechen, es ist aber auch wichtig. Da ich seit meinem niedrigen Hb-Wert schon seit Wochen Eisentabletten genommen habe, was den Stuhl fester macht, habe ich mich gefreut, dass ich es vor der Op hinter mir hatte.

Um 7:15 musste ich in das benachbarte Gebäude zum Anzeichnen gehen. Ich war schon etwas früher dort, habe geklingelt, aber niemand war da. Ich musste auf den Chirurgen eine halbe Stunde warten. Ich hatte Zeit zum Nachdenken, mich zu freuen.. und alle 3 Minuten den Lichtschalter zu drücken. Dann kam der PC und wir gingen in die Praxis. Er hat mir erzählt, dass ich als Zweite gegen 10 Uhr rankomme, ich werde in meinem Zimmer abgeholt. Bei der Mammographie 2  Monate davor wurden bei mir zwei Zysten in der linken Brust gefunden. Eine war atypisch. Ich habe den PC gefragt, ob er die auch mitentfernen wird. Er wollte es mit Ultraschall überprüfen und meinte bei der Untersuchung, dass die zysten gut aussehen, er kann sie aber entfernen, weil sie dahin fallen, wo er das Gewebe wegschneiden wird. Er hat die Stellen auch nicht markiert. Wochen nach der Op stellte sich allerding bei meiner Frauenärztin heraus, dass eine Zyste drin geblieben ist. Der PC nahm einen Marker in die Hand und hat die Linien auf den Brüsten eingezeichnet, wo er schneiden wollte. Zumindest hat er es versucht, ich war aber so nervös, dass ich geschwitzt habe und der Stift funktionierte erst, wenn er die Stelle abgewischt hat. Na, das war aber auch wieder peinlich.. für mich. Für ihn wohl nicht, wahrscheinlich war ich nicht die Erste, bei der es so gelaufen ist. Die untere Hälfte der Brust wird ganz weggehen, die waagerechte Linien ergeben die zukünftige Unterbrustfalte und die senkrechte Linien die senkrechte Narbe runter von den Brustwarzen. Die Brustwarzen werden auf einem Gewebestiel nach oben versetzt (15 cm höher auf die Entfernung von 21 cm von dem Schüsselbein), die Stelle wurde auch markiert. Ich habe dabei dem Arzt noch einmal gesagt, dass ich kleine Brüste mit B Körbchen haben möchte. Er sagte, er hat es verstanden, aber eine gewisse Größe müssen sie haben. 10 Minuten später war ich fertig.

Ich bin wieder auf die Station in mein Zimmer gegangen und habe Fernseh geguckt. Um halb 10 kam mein Mann und hat mir einige Sachen gebracht (Handtuch, Wecker und Nachtlicht). Wir haben geredet und darauf gewartet, dass mir jemand Bescheid sagt, wann ich mich umziehen soll. Die Kompressionsstrümpfe, ein Netzslip mit Einlage, ein Stoffteil für die Brüste später und ein Kittel (hinten geöffnet) waren schon hingestellt. Um 10:20 kamen zwei Schwestern und haben sich gewundert, wieso ich noch nicht umgezogen bin. Ich habe mich gewundert, wieso mir niemand Bescheid sagte. Sie haben draussen gewartet, bis ich fertig war, ich habe mich dann auch von meinem Mann verabschiedet. Mit meinem Bett fuhren wir runter in den Op-Vorbereitungssaal. Im Vorraum musste ich mich selbsständig von meinem Bett auf das Op-Bett rübersteigen. Da es dort schon sehr kalt war, habe ich eine Wärmedecke bekommen, meine Arme und Hände waren aber frei und haben später sehr gefroren. Es kann aber auch sein, dass ich es auch wegen der Narkose so empfunden habe. Mit diesem Op-Bett wurde ich ins Vorbereitungsraum geschoben, was eigentlich ein Durchgang war. Eine Schwester und ein Pfleger waren bei mir und haben den Zugang gelegt. Sie haben mit mir auch geredet, haben dies und das über meinen Beruf gefragt (ich bin Genetikerin). Danach habe ich eine Maske mit Sauerstoff auf den Mund und Nase bekommen. Da dachte ich noch, ich halte es in dieser Kälte keine Minute länger mehr aus, habe die Finger bewegt, sie sind mir schon fast abgefroren. Ich habe noch überlegt, wonach dieses Gas riecht und in der nächsten Sekunde war ich schon weg. Ich habe schnell noch auf die Wanduhr geguckt: 10:40

14:20
Im Aufwachraum bin ich wach geworden, ich wurde gerade vom Op-Bett auf mein Bett bewegt, ich habe gespürt, dass ich hochgehoben und aufs andere Bett gelegt werde. Eine Stunde lang war ich im Aufwachraum neben dem Op-Saal. Dort gab es auch eine Wanduhr, auf der ich gesehen habe, wie spät es schon ist. Ich war benebelt, mir war es schwindelig, es war mir aber nicht übel. Ich bin immer wieder eingedöst und wenn ich wach war, habe ich gehört, wie Zwei rechts von mir am Tisch geflüstert haben. Sie haben mir den Rücken zugedreht. Danach habe ich mit ihnen noch geredet. Mir tat eigentlich nichts weh, ich war nur sehr müde und hätte am liebsten noch weitergeschlafen. Im Mund hatte ich ein Geschmack von der Narkose, war ekelhaft. Nach einer Stunde kam eine Schwester rein und fragte, ob hier jemand von der C1 liegt. Da die zwei Männer es abgestritten haben, habe ich mich gemeldet, ja, da bin ich und es war zwar schön hier, aber jetzt ist es Zeit für mich, auf die Station zurückzugehen. Wenn man betäubt ist, wird man lustig. 😉 Ich kann mich noch erinnern, dass meine linke Seite von der Schwester angeguckt wurde und ich habe dort geblutet – das habe ich dort aber noch nicht mitgekriegt, erst später, als es auf meinem Zimmer turbulenter wurde. Die Schwester schob mich zurück ins Zimmer. Meine Nachbarin war auch schon dort. Eine andere Schwester kam mit uns rein, sie hatte ein Telefon am Ohr, hat nochmal meine linke Seite angeguckt, wo ich geblutet habe. Sie redete mit dem PC. Kurz darauf kam sofort eine Ärztin und hat es sich angeguckt: wo die Drainage in der linken Brust steckte, blutete es etwas aus dem Loch. Später, als ich schon aufstehen konnte, habe ich den handgroßen Blutfleck auf dem Bettlaken gesehen. Ich habe Kühlakkus und Sandsack auf die Brüste gelegt bekommen, es wurde regelmässig angeguckt und es wurde festgestellt, dass die Blutung immer weniger wird, dabei blieb die Brust weich, also kein Grund zur Sorge, das regelt sich schon alleine.

16 Uhr
Meine Schwiegermutter kam mich zu besuchen, die in der selben Stadt wohnt. Ich habe sie eigentlich gebeten, am Tag der Op nicht zu kommen, meine Kinder und mein Mann kamen auch nicht. Ich war noch sehr schwach, sehr müde, konnte die Augen kaum offen halten. Das hat sie nicht gestört, sie hat geredet ;-) Ich habe ab und zu genickt und etwas geantwortet. Was sie mir da erzählt hat, war aber nicht ganz passend. Zwei Wochen vorher ist nämlich ihre Schwiegermutter gestorben, die sie gepflegt hat und sie musste mir gerade jetzt erzählen, wie sie gestorben ist. Ich durfte in der Zwischenzeit meinen Mund mehrmals mit Wasser ausspülen, es schmeckte ekelhaft. Trinken war noch nicht drin. Die Zitronenstäbchen waren leider alle, die hätte ich gerne gehabt.

18 Uhr
Der PC guckte kurz rein und erzählte, dass 1350 Gramm pro Brust entnommen wurde. Er hat alles nochmal überprüft, die Brüste waren weich, die Blutung hörte auf, sammelte sich also nicht drin. Viel geplaudert haben wir nicht, ich war immer noch benebelt. Als er ging, kam die Schwester und brachte mich ins Bad, wo ich Pii machen durfte. Die Tür blieb offen, die Schwester hat mir zugeguckt, was auch gut war, weil ich es schon beim Sitzen spürte, wie mich die Kraft verlässt. Es wurde mir sehr schwindelig und schlecht. Ich sagte zu ihr auch, mir ist schwindelig, muss zurück ins Bett! Schweissausbrüche, ganz kalte Beine inklusive. Ich stand auf, hab nicht mal versucht zu spülen, habe mich am Türrahmen festgehalten. Dann musste ich nur noch 3 Schritte bis zum Bett machen, die Schwester hielt mich fest. Es waren nur wenige Schritte, aber so schlecht war es mir noch nie in meinem Leben. Es hat aber nichts weh getan, die Brüste habe ich nicht gespürt. Als die Füsse wieder hoch lagen, ging es mir schlagartig besser – Kreislauf halt. Ich durfte dann bisschen was essen (halbe Scheibe Brot mit Margarine und Käse – wurde von einem schnuckeligen Pfleger fertig gemacht – zum Glück war er nicht, der mir beim Pinkeln zugeguckt hat) Trinken durfte ich auch. Dabei wurde mir ab und zu übel im Magen, ich habe dann aber etwas gewartet und dann erst weitergegessen. Bis Mitternacht habe ich auch gut geschlafen. Danach musste ich Pipi, habe auf die Schwester gewartet. Sie kam um halb 3 und begleitete mich ins Bad. Sie hat sich noch überlegt, dass sie alleine auf der Station ist, ob wir es riskieren sollen, aber dann durfte ich doch aufstehen. Auf dem Klo ist es mir wieder schwindelig geworden. Ich habe ihr gesagt.. ohoo, ich muss jetzt schnell zurück ins Bett. Ich denke mal, ich hätte nicht unbedingt spülen sollen, dann hätte ich es vielleicht auch geschafft. Aber so kam ich nur bis zur Tür. Ich merkte nicht mal, dass alles schwarz wird, ich war einfach weg. Als ich die Augen aufgemacht habe, lag ich auf dem kalten Boden im Bad, die Schwester sass bei mir und hat mich beobachtet. Sie hat ernst geguckt, nicht geschmunzelt. Es war ein sehr komisches Gefühl, hatte auch noch nie in meinem Leben. Genau wie bei der Op, man verpasst etwas, die Zeit vergeht und man weiss nichts davon. Als wir darüber schon lachen konnten, habe ich die Schwester gefragt, ob sie es gesehen hat oder mir gerade den Rücken zugedreht hat (weil sie vor mir aus dem Bad rausging). Sie hat es gesehen, aber nichts tun können, weil ich es „verdammt eilig mit der Ohnmacht hatte“ – ihre Worte. Das fand ich sehr lustig, auch wenn es nicht lustig war. Ich habe meinen Kopf auch irgendwo aufgeschlagen, war aber nicht schlimm, nur eine kleine Beule. Die Brüste sind heil geblieben, ich bin nicht auf sie gefallen, sondern nach hinten.

So lief also der Tag ab, war lang und aufregend, letztendlich ist aber alles gut gelaufen. Ich war noch 3 Tage im Krankenhaus, darüber schreibe ich im nächsten Beitrag. Die neuen Brüste habe ich erst am nächsten Tag gesehen, da fand ich sie natürlich noch klein genug, ich war ja an eine andere Größe gewohnt. Aber der erste Schock kam auch schon, als mir der Kompressions-Bh angezogen wurde.

Später zeige ich noch Fotos von der Narbenentwicklung, jetzt soll hier ein vorher-nachher Foto stehen, wie die Brüste beim Anzeichnen, 6 Tage post Op (noch mit abgeklebten Narben) und 5 Monate post Op ausgesehen haben.

 

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