Ich habe zufällig eine Publikation aus dem Jahr 2006 gefunden, die darüber berichtete, wie die Brustverkleinerung in England und Irland abläuft, welche die übliche Methode ist, wieviel ein Arzt pro Jahr operiert, etc. Es ist immer wieder interessant, solche Daten zu lesen, so kann man beurteilen, was bei der Person selber gelaufen ist, wenn man den Eingriff schon hinter sich hat. Oder noch besser, man hat so die Möglichkeit, bei einem Beratungsgespräch die richtigen Fragen zu stellen.

140 plastische Chirurgen haben an der Umfrage teilgenommen (61% Beteiligung).

Von ihnen führte jährich

  • 38% weniger als 20
  • 32% zwischen 20 und 29
  • 15% zwischen 30 und 40
  • und 15% mehr als 40 Brustverkleinerungen durch

82% der PC machte vor der Op ein Vorher-Foto, 36% ein Nachher-Foto. 72% von ihnen verlangte nicht nach einener mammographischen Untersuchung vor dem Eingriff. 69% befürwortete die Reduktion anhand der BMI und nur 1,5% anhand psychologischen Tests.

Während der Op gab 46% der Chirurgen Antibiotika (weniger Infektionen), 69% lokale Anästhesie (weniger Schmerzen) und 30% Adrenalin in die Wunde (weniger Blutung).

67% verwendete die inferior Stiel Technik (die Brustwarzen werden auf einem von unten kommenden Stiel versetzt), 10% die Lejour-Technik (i-Schnitt) und 4% McKissock-Technik (die BW werden ebenfalls auf einem Stiel versetzt), 90% führte pro Jahr weniger als 5 Verkleinerungen mittels freiem BW-Transplantation durch. 45% ergänzte die Verkleinerung nie mit Liposuktion (Fettabsaugung), 9% jedoch öfters.

93% der Chirurgen hat die Reduktion nie ambulant durchgeführt. 82% schickte Gewebeprobe ins Labor und 53% hatte 1-5 Mal einen Bericht über Brustkrebs zurückbekommen. Bei 79% der Chirurgen bekam man Drainagen, die die Flüßigkeit aus den Brüsten abgeleitet haben und 75% gab der Patientin einen Kompressions-Bh nach der Op.

Die Kanadier wollten es auch wissen, sie haben ebenfalls 140 Fragebogen ausgewertet (40% Beteiligung, 2008). Die Chirurgen hatten 7 bis 27 Jahre praktische Erfahrung auf dem Gebiet. Die meistverwendete Technik war der T-Schnitt (66%) mit der inferior Stiel Technik (63%). Im Durchschnitt haben die Chirurgen jährich 21-95 Brustverkleinrungen durchgeführt, bei 87% von diesen wurde weniger als 1000 g Gewebe pro Brust entfernt. Die Resektionsmenge hing nicht von der verwendeten Technik ab.

Bei 42% der Chirurgen gab es Drainagen und bei 33% lokale Anästhesie. 23% führten zusätzlich auch eine Fettabsaugung durch. Die Ops haben im Durchschnitt 2 Stunden gedauert, bei i-Schnitt kürzer, bei T-Schnitt länger. 55% der Eingriffe wurden ambulant durchgeführt (dies hat mich schockiert!). 71% gab weniger als 5% Komplikationsrate an (dies hing nicht von der Technik ab). Die häufigste Komplikationen waren:

  • Wiederaufplatzen der Wunde
  • verzögerte Wundheilung
  • Absterben des Gewebes
  • Thrombose (20%)
  • Embolie (13%)
  • Tod der Patientin (2,1%)

In der Kandischen Publikation wurden einige Fakten über die deutschen plastischen Chirurgen zusammengefasst. Die deutsche Publikation selber war nicht frei zugänglich, deswegen kann ich nur aus der kanadischen einen Auszug machen:

In Deutschland wurden die Daten von 799 Patientinnen in eine Datenbank eingegeben (2001). 99% der Brustverkleinerungen wurde stationär durchgeführt, bei den meisten wurde weniger als 1000 g Gewebe pro Seite entfernt. 52% wurde mit i-Schnitt, 45% mittels T-Schnitt durchgeführt. In 21,5% traten Komplikationen auf, am häufigsten ging die Wunde wieder auf (unabhängig von der Schnitttechnik).

Hast du noch das Beratungsgespräch mit einem plastischen Chirurgen vor dir, könntest du anhand dieser Statistik deine Fragen im voraus zusammenstellen. Hier wurden nämlich die wichtigsten Details zusammengefasst.

 

Quellen:

Ann R Coll Surg Engl. 2006 Oct;88(6):585-8. Breast reduction surgery in the UK and Ireland – current trends. Iwuagwu OC, Platt AJ, Drew PJ.

Can J Plast Surg. 2008 Fall;16(3):157-61. Practice profiles in breast reduction: a survey among Canadian plastic surgeons. Nelson RA, Colohan SM, Sigurdson LJ, Lalonde DH.

Ann Plast Surg. 2001 Jun;46(6):594-8; discussion 598-600. Continuous quality management of breast hypertrophy by the German Association of Plastic Surgeons: a preliminary report. Menke H, Eisenmann-Klein M, Olbrisch RR, Exner K.

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