Grüße an alle und danke für diese informativen Seiten. Ich hätte mich gefreut, wenn es sowas schon vor meiner OP gegeben hätte…

Meine OP war 2008 und beendete – wie wohl bei allen – eine lange Diskussion mit mir selbst. Natürlich hatte ich unter meiner Oberweite gelitten… 80 G bis H… kein BH sitzt… ständiger Griff in den Rücken um alles zurecht zu zuppeln… Griff nach vorn um alles zu verstauen… Sackoberteile… anzügliche Blicke, gerade im Schwimmbad und häufig auch dumme Kommentare… Omabadeanzüge… Sport nur ohne Hüpfen, Springen, Laufen… kurz und gut: wo immer ich hin wollte… meine Brüste waren schon immer eine halbe Stunde vor mir da.

Andererseits: eine durchaus große OP mit den üblichen Risiken, drohender Verlust der Empfindungs – und Stillfähigkeit, Nekrosen, Verlust der Brustwarzen, Narben und die Angst, an einen unfähigen oder mittelmäßigen PC zu geraten. Ich bin ein Angsthase. Meine Diskussion mit mir selbst dauerte daher mehr als 20 Jahre. Vielleicht braucht alles seine Zeit… Rückwirkend hätte ich mir selbst mehr Entscheidungsfreudigkeit gewünscht. Trotz Schmerzen, Wundheilungsstörungen und nicht gerade geringer Narbenbildung hätte ich das alles viel früher machen sollen. Punkt!

700 und 800 gr wurden entfernt. 80 C… mit Winterspeck auch mal 85 C. Auch nach mehr als 5 Jahren bestehe ich jeden Bleistifttest mit Leichtigkeit. Meine Narben jucken manchmal immer noch und vielleicht gehe ich das irgendwann noch mal an. Aber sie stören mich nicht wirklich. Ich trage sie mit einem gewissen Stolz, denn sie erinnern mich daran, was ich geschafft habe. Männer – überschaubare Anzahl – haben sie noch nie gestört. Die Empfindungsfähigkeit hat nicht ab- sondern zugenommen. Das hat mich überrascht und natürlich auch gefreut. Früher habe ich anderen Frauen neidisch auf die Brust geschaut. Heute hab ich Spass an meiner eigenen. In den letzten Jahren ist sie weicher geworden, aber ich gehe auch stramm auf die 50 zu, also „passt“ das auch. Ihre schöne Form hat sie aber behalten und ich fasse sie gern an. Das war vor der OP anders.

In puncto Sport geht jetzt alles. Und wenn es nicht geht, liegt das an meiner Faulheit und nicht an der Oberweite.

Klamotten!!! Mit Mitte 40 hab ich das erste mal schulterfreie Tops, Bandeaubikinis und Kleider mit Spaghettiträgern getragen. Ohne BH… Ade du dröger Oma-Look!

Meine Gesprächspartner schauen mir zwar auch heute noch auf die Brust… wenn ich das will und entsprechend in Szene setze. Im wesentlichen schauen sie mir aber in die Augen.

Und um zum Schluss noch Ross und Reiter zu benennen:
Nach langer Recherche hatte ich mich für ein konservatives stinknormales Krankenhaus mit angegliedeter plastischer Abteilung entschlossen. Mir war große Erfahrung im Bereich der Brustchirugie wichtig und ich wollte für den Fall möglicher Komplikationen auf die Recourcen eines Krankenhauses nicht verzichten. Für ein Vorgespräch in der Klinik wurden mir 50€ berechnet. Ich konnte alle Fragen mit der PC besprechen, Fotos wurden gemacht. Dann die übliche Rangelei mit der Krankenkasse. Nachdem ich schliesslich die Fotos an die Krankenkasse gemailt hatte, kam postwendend das ok. Die Fotos habe ich heute noch… sie sind schlimm und machen mich jedes mal traurig. In den letzten 5 Jahren hab ich sie mir höchstens 3 mal angesehen.

Meine OP fand im Krankenhaus der Düsseldorfer Kaiserswerther Diakonie statt. Sie war schmerzhaft und ich hatte noch Wochen danach das Gefühl, als wenn man mir den Stöpsel gezogen hätte. Ich hatte während der OP meine Tage und depressive Anwandlungen, zu denen ich ansonsten nicht neige. Der Service im Krankenhaus war zunächst nicht gut. Ich musste mit Drainageflaschen rechts und links über den Flur um mir das Frühstück zu besorgen. Da ich gefüllte Teller bis heute nicht auf dem Kopf balancieren kann, habe ich neben den 1,5 kg Brust in der Klinik ein weiteres Kilo abgenommen… später aber wieder ausgeglichen. Nach dem 3. Tag hab ich mit aufmüpfigem Nörgeln angefangen. Ich war mit meinen Drainagepullen in den 5. Stock geschlurft und hatte dort die brandneuen und extrem schönen Privatzimmer Plastischen Abteilung entdeckt. Das kann man jetzt gut finden oder nicht… wenn es einem nicht gut geht, wird man egoistisch… und ich bin privat versichert…. kurz und gut: der 5. Stock und das „pampern“ durch die Mitarbeiter tat mir gut. Erst recht die ausgiebige Dusche. Und das elektrisch verstellbare Bett. Ich bin Seitenschläfer und hätte mir in der ersten Zeit nach der OP gern oft einen neuen Rücken gewünscht. Zu Hause hab ich mir dann eine dicke Rolle fürs Bett besorgt, die ich dann in der Seitenlage zwischen die Arme genommen hab. Das hat schön entlastet. Am 6. Tag wurde ich entlassen. Schlapp, schlank und mit dem üblichen Sport-BH.
Düsseldorf ist für mich auch nicht um die Ecke… keine Klinik wäre das gewesen. Aber Frau hat Eltern, Partner, Freundinnen oder eine Bahnkarte. Die Entfernung zu der für mich richtigen Klinik wäre nie ein Kriterium gewesen.

Was weitere BHs angeht… Ich setze auf Fachpersonal und die damit verbundene kompetente Beratung. In nahezu jeder Stadt gibt es gute Wäsche- oder Miederfachgeschäfte… altmodisches Wort mit manchmal auch altmodischen Verkäuferinnen. Für diese manchmal in die Jahre gekommenen Lädchen möchte ich aber mal eine Lanze brechen. Lebenserfahrung und Fachverstand. Es gibt in puncto Brust eigentlich nix, was die nicht schon gesehen haben. Heute greif ich auch gern mal im Internet oder am Grabbeltisch zu… in der ersten Zeit nach der OP haben mir diese Damen aber wirklich gut geholfen.

Arbeitsfähig war ich nach ca. 4 Wochen. Das hatte ich unterschätzt. Aber die Power kam nur langsam wieder. Eine offene Stelle unter der Brust wollte sich gar nicht schließen. Irgendwann hatte sich aber auch das erledigt.

Tja… was macht man, wenn man um 2 Uhr nicht mehr schlafen kann? Man stöbert und schreibt was im Netz. Das war also meine OP. 5 Jahre ist das her und in den letzten Stunden hab ich noch mal alles hoch geholt.

Fazit: Machen!

Einen guten Morgen an alle!

Birgit

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