Mein Name ist Christine,  ich bin 44 Jahre alt und 1,68cm gross und wiege ca. 66 kg.
Ich hatte schon immer eine grosse Brust. Als Jugendliche war ich spindeldürr und hatte eine Größe von 75D. Damals gab es kaum BH’s in meiner Größe und ich erntete nur vernichtende Kommentare in Bezug auf meine Brust und meine Figur. Deshalb fing ich schon früh an, das ganze Elend zu verstecken. Da ich so schmal war, ging das gut. Bis heute denken viele, meine Brust wäre nie gross gewesen 🙂
Aber eigentlich ist es sehr traurig, weil mein Leben in dieser Beziehung ein einziges Versteckspiel war. Nicht einmal meine besten Freundinnen haben mich aus diesem Grund nackt gesehen. Ich ging nicht mehr ins Schwimmbad, in keine Sauna und vermied es, mich vor anderen auszuziehen. Und ich hatte keinen Mut mehr, mich vor einem Mann auszuziehen.
Mit Beginn der Wechseljahre wuchs neben meinem Bauch leider auch meine Brust auf 80E und im Winter sogar auf 80F (mit starker Erdanziehungskraft).
Ich litt Höllenqualen und hatte zu allem Elend noch mit einer Gummi Allergie zu kämpfen, die die Wahl der in Frage kommenden BH’s sehr einschränkte.  Ich konnte nur einen ganz leichten BH von Passionata tragen und selbst von diesem bekam ich wunde Stellen am Rücken.
Und wenn mir dann Freundinnen noch den guten Ratschlag gaben, mal in ein richtiges Wäschegeschäft zu gehen, um mir einen BH zu kaufen, mit dem das Ganze nicht so hing, war ich erst Recht den Tränen nahe (Ich weiss, es war nicht böse gemeint, aber sie ahnten ja nicht, dass ich schon immer NUR im Wäschegeschäft einkaufen konnte! Und ein BH mich mindestens 45 Euro kostete, aber sich die Erdanziehungskraft nun auch mal nicht mit einem BH aus dem Wäschegeschäft überlisten liess).
Vor 2 Jahren ging ich auf Drängen einer lieben Freundin ins KH und liess dort Photos für einen Antrag machen.
Ein Jahr liess ich mir Zeit, um alles nochmal zu überdenken, wegen der Narkose und den Risiken.
Letztes Spätjahr reichte ich den Antrag zusammen mit einer handschriftlichen Aufführung meines Leidens und zusammen mit Bestätigungen verschiedener Ärzte (Frauenarzt, Ortophäde, Hausarzt) bei meiner Krankenkasse ein und bekam 5 Tage später die Aufforderung, zum Medizinischen Dienst zu gehen.
Ich wusste, dass der MD die Frauen gerne wieder nach Hause schickt, wenn man zu viel Gewicht hat, mit der Begründung, erst mal abzunehmen, da der Busen dann auch kleiner wird. Da mein Gewicht aber stabil und niedrig war, hatte ich einen Pluspunkt. Sie wog meine Brüste. Die linke wog ca. 1,5 und die rechte 2 Kilo. Als sie am Schluss meinte, es gäbe jedoch Frauen, bei denen eine Brust alleine 4 Kilo wiegen würde und mein Fall grenzwärtig wäre, wurde ich fuchsteufelswild. Ich antwortete ziemlich energisch, dass viele dieser Frauen auch wesentlich mehr auf die Waage bringen würden und ich mich schon mein Leben lang kasteie, um bloss kein Gramm zuzunehmen, damit die Brust nicht noch grösser wird. Mitunter hatte ich sogar gefastet, damit die Brust nicht noch weiter wuchs, denn das tat sie, ohne Rücksicht auf Verluste, mit jedem Gramm mehr.
Im Nachhinein war ich sauer auf mich, dass ich so wütend geantwortet hatte. Und ich rechnete mir keine Chancen auf ein Ja aus.
4 Tage später rief die Krankenkasse an und teilte mir mit, dass mein Antrag bewilligt wurde!
Ich war überglücklich und schwebte auf Wolke sieben.
Dann war es endlich soweit. Links wurde 340g und rechts 480 entnommen, und ich kam von 80E/F auf 80C
Nach dem Aufwachen war mir speiübel von der Narkose und ich musste direkt wieder in den Op, weil ich an der rechten Brust eine schmerzhafte Schwellung aufgrund einer Nachblutung bekam. Zu den 3,5 Stunden Op kam dann nochmal eine 1,5 Stunden Op dazu.
Das hat  mich ziemlich geschlaucht und 4 Tage danach konnte ich nicht mal ein Heft lesen, so geschwächt war ich. 2 Ibuprofen am Tag (je 400mg) reichten, um relativ schmerzfrei zu sein und nach 5 Tagen wurde ich aus dem KH entlassen. Die ersten 3 Wochen fand ich schon sehr hart. Ich hatte Schwellungen und in der rechten Brust ein dauerndes Reissen und Stechen und aus einer Stellt trat unaufhörlich Wundsekret.
5 Wochen danach war ich das erste Mal schmerzfrei aber auch danach hatte ich wieder geschwollene, schmerzhafte Brüste.
Mir wurde als Wundpflege Bepanthen empfohlen, ich fand die Salbe jedoch überhaupt nicht gut und sie tat mir auch nicht gut. Somit wechselte ich auf Soventol Wund- und Heilgel und ich kann sie nur jedem empfehlen. Sie hat alles gut verheilen lassen und auch das übliche Jucken der Narben stellte sich sofort ein. Soventol ist auch gut für die Narben, somit entfällt eine spezielle Narbensalbe. Vom KH bekam ich einen Kompressions BH von Anita in 90B (frontline open) den ich immer noch sehr gerne trage, und der mir grossen Halt und Sicherheit gibt.
Bei der Wahl des KH sollte man auf sein Gefühl hören und abschliessend kann ich sagen, dass ich überglücklich bin mit meinen neuen Brüsten. Ich habe erst mal meinen Kleiderschrank ausgemistet und dreiviertel aller Kleider weggeschmissen. Mir reicht jetzt S/M statt L. Es tat mir überhaupt nicht leid, die ganzen Pullover in L wegzuschmeissen, diese Zelte, die alles an mir verhüllt hatten und ich freue mich darauf, endlich schöne Oberteile kaufen zu können, Tops, trägerlose Shirts und ich würde meine Brust am liebsten jedem zeigen (tue ich natürlich nicht…würde ich aber am liebsten:-) )
Ich kann allen nur Mut machen, diesen Schritt zu gehen, wenn man sich wirklich sicher ist und keinen Kinderwunsch mehr hat. Ich wünschte, ich hätte mich schon früher dazu entschlossen, aber auf der anderen Seite hätte ich mich vielleicht im Nachhinein geärgert, weil die Brüste in den Wechseljahren noch grösser wurden und ich dann wieder eine Riesenbrust gehabt hätte.
Es war alles gut so, wie es war und ich freue mich wahnsinnig darauf, neue Kleider zu kaufen und wieder aktiv am Leben teilzunehmen. Und selbst wenn man die Narben später noch sehen sollte. Damit kann ich gut und gerne leben.
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